Rahmenkonzeption

 

Gliederung

 


 

Vorwort

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 Eine gute Kinder- und Jugendarbeit ist eine der vordringlichsten Aufgaben des Jugendamtes und eine wichtige Investition in die Zukunft einer Gesellschaft. Gerade in einer Zeit ständiger gesellschaftlicher Veränderungen kann und muss Kinder- und Jugendarbeit ein Wegbegleiter sein und jungen Menschen Freiräume geben, um ihre Chancen, aber auch ihre Grenzen zu erfahren.

 

 Familie ist nach wie vor der wichtigste Ort für die Erziehung und Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen. Sie bei dieser Aufgabe zu unterstützen und allgemeine Informations-, Beratungs- und Hilfeangebote bereitzustellen, ist ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit und eingebunden in das Lokale Bündnis für Familie Charlottenburg-Wilmersdorf, das wir in diesem Jahr gegründet haben.

 

 Eine dynamische Gesellschaft mit all ihren positiven und negativen Einflüssen und Auswirkungen auf junge Menschen und Familien ist eine Herausforderung zu einer Weiterentwicklung der Strukturen und Inhalte der Arbeit. Die Schaffung sozialräumlicher Kooperations- und Kommunikationsstrukturen in der Kinder- und Jugendhilfe mit dem Ziel, zukunftsfähige Lebensräume zu gestalten, stehen dabei im Mittelpunkt. Zukunftsfähigkeit bedeutet in diesem Zusammenhang, dass Lebensräume in einer Art und Weise gestaltet werden, dass sie den in ihnen lebenden Menschen optimale Entwicklungs- und Partizipationsmöglichkeiten in sozialer, ökologischer, wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht bieten.

 

 Die neue Rahmenkonzeption ist hierfür eine sehr gute Grundlage. Wir danken allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die daran engagiert mitgewirkt haben, und wünschen allen Einrichtungen und dem „Amt“ viel Erfolg in der konkreten Realisierung der Ziele vor Ort.

 

 

 

 Reinhard Naumann                                                                          Uta von Pirani

Bezirksstadtrat für                                                                            Jugendamtsdirektorin

Jugend, Familie, Schule und Sport

 


 

Einleitung

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1.1  Wer sind wir?

 

Als Jugend- und Familienförderung ist unser vorrangiges Anliegen dazu beizutragen, Kinder, Jugendliche und ihre Familien zu stärken. Wir wollen behilflich sein bei der Bewältigung von Erziehungs- und Bildungsaufgaben, wir setzen uns ein für die aktive Beteiligung von Kindern und Jugendlichen am gesellschaftlichen Leben.

Für die Jugend- und Familienarbeit in Charlottenburg-Wilmersdorf stehen vierzehn kommunale Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtungen und ein Haus der Familie mit Mitarbeiter/innen und vielfältigen Qualifikationen zur Verfügung. In unseren Einrichtungen gelten die Regeln von Gewalt- und Drogenfreiheit. Wir sind eine starke Lobby für die Interessen junger Menschen. Wir ermöglichen soziales Lernen und die Erfahrung von Solidarität, Toleranz und friedlicher Konfliktbewältigung. Wir bieten Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, durch Internationale Begegnungen junge Menschen aus fremden Ländern, insbesondere aus unseren Partnerstädten kennen zu lernen. Unsere Besucher setzen sich auseinander mit Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und alltäglicher Diskriminierung von Minderheiten. Wir fördern den gleichberechtigten Umgang von Mädchen und Jungen, jungen Frauen und Männern. Wir fördern das kulturelle Verständnis und die Fähigkeiten zur kreativen Gestaltung durch Theater- und Musikworkshops. Wir helfen beim Umgang mit neuer Technologie durch Medienangebote wie Computer- und Internetführerscheine. Wir sind Ansprechpartner bei persönlichen oder schulischen Problemen, wir helfen die Hausaufgaben zu erledigen. Wir bieten Kindern, Jugendlichen und ihren Familien sport- und erlebnisorientierte Aktivitäten und im Sommer Erlebnisferien im Volkspark Jungfernheide und im hessischen Kirchvers.

 

1.2  Unser Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf / City-Bezirk des Berliner Westens

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Der Kurfürstendamm ist wohl einer der bekanntesten Boulevards in Deutschland. Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, der Funkturm, das Olympiastadion, das Schloss Charlottenburg und das Internationale Kongresszentrum sind Wahrzeichen Berlins, sie alle gehören zu unserem Bezirk. Dazu kommen kulturelle Einrichtungen mit Weltruhm wie die Deutsche Oper oder die Schaubühne, wissenschaftliche Institutionen wie die Technische Universität oder die Universität der Künste und Ausflugsziele wie der Teufelsberg oder der Grunewald, unzählige Restaurants, Galerien und Museen.

 

Aber Charlottenburg-Wilmersdorf ist nicht nur die City-West mit viel Kultur und attraktiven Ausflugszielen. Zu dem Bezirk gehören sowohl die Villenkolonien im Grunewald und Westend, aber auch soziale Brennpunkte wie der Charlottenburger Norden, der Klausenerplatz, Richard-Wagner-, Stuttgarter- und Mierendorffplatz. In diesen dichtbesiedelten innerstädtischen Kolonien mit überwiegender Altbaustruktur kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen den Bewohnern, zu Drogenhandel und erhöhter Kriminalität mit intensiver Polizeipräsenz. Unser Anliegen ist es, Kinder und Jugendliche aus diesen Milieus vor kriminellen Handlungen zu schützen und ein Abgleiten in eine kriminelle Karriere durch präventive Projekte zu verhindern.

 

Wichtige Daten

Bevölkerung:

Einwohner gesamt:                                   308.855

davon Einwohner

nicht deutscher Herkunft:                            55.337

Türkei:                                                            7.344

Polen:                                                            4.157

Serbien/Montenegro:                                     2.598

Italien:                                                            2.329

Griechenland:                                                1.618

Junge Menschen unter 18 Jahren:             39.407

davon nicht deutscher Herkunft:                   6.005

 

Altersgruppen:

0 bis unter 6:                                                   13.312

6 bis unter 15:                                                 19.337

15 bis unter 18:                                                 6.758

18 bis unter 25:                                               21.277

 

Fläche:

Gesamtfläche:                                             6.472 ha

Wohnfläche:                                                1.333 ha

Gewerbe / Industrie:                                       117 ha

Parks, Spielplätze etc.                                    681 ha

Verkehrsfläche:                                            1.281 ha

Wald:                                                           1.594 ha

Wasser:                                                          280 ha

 

Bebauung:      Altbauten der Gründerzeit, Neubausiedlungen der 50er und 60er Jahre, Villenkolonien

 

1.3 Gesetzliche Grundlagen der Kinder- und Jugendarbeit

 

Beteiligung von Kindern und Jugendlichen gemäß § 8 SGB VIII

Kinder- und Jugendarbeit gemäß § 11 SGB VIII

Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen gemäß § 9 SGB VIII

Jugendsozialarbeit gemäß § 13 Abs. 1 SGB VIII

Kinder- und Jugendschutz gemäß § 14 SGB VIII

Allgemeine Förderung der Erziehung in der Familie gemäß § 16 SGB VIII

Zusammenarbeit mit anderen Stellen und öffentlichen Einrichtungen gemäß § 81 SGB VIII

 


 

2. Ziele der pädagogischen Kinder- und Jugendarbeit

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Kinder besuchen die Freizeiteinrichtungen in der Regel ab dem 6. Lebensjahr. Der wechselvolle Alltag dieser Kinder zwischen Schule, Hort, Elternhaus und Kinderfreizeiteinrichtung muss verarbeitbar sein. Daher ist ein Austausch und die Absprache zwischen den Kindereinrichtungen, Schule und Elternhaus wichtig, um Vertrauen zu erhalten, das Gefühl des Angenommenseins und der Geborgenheit zu vermitteln und den Tag durch sinnvolle Freizeitgestaltung stressfrei zu gestalten. Schulkinder haben es oft schwer aufgrund ihres Alters und der gehobenen Ansprüche an ihre Leistungsfähigkeit, ihr Recht auf Entspannung und Geborgenheit geltend zu machen. Deshalb ist es unser ganz besonderes Anliegen, das Vertrauen der Kinder in eigene Kompetenzen und eigenes Selbstbewusstsein zu stärken. Wir helfen den jungen Menschen soziale Eigenständigkeit auszubilden, Freundschaften zu schließen und die Fähigkeit zu Toleranz und Empathie auszubilden.

 

Die Jugendphase umfasst mit dem Beginn der Pubertät im 12. Lebensjahr bis zur selbstständigen Haushaltführung einen Zeitraum von bis zu 15 Jahren. Der Abschluss eines Studiums oder einer beruflichen Ausbildung stellt enorme Anforderungen an junge Menschen. Dabei sind die äußeren, also die sozialen und physischen Umgebungsbedingungen, genauso wie die inneren, die psychisch-körperlichen Faktoren, Grund dafür, dass gerade in dieser Zeit der Persönlichkeitsentwicklung Krisen auftreten (Hurrelmann „Lebensphase Jugend“).

 

Dazu gehört das Spannungsfeld zwischen Jugendlichen und der Familie, der Schule, der Berufsausbildung oder der Hochschule. Auch das richtige Verhältnis zum Umgang mit Geld, Konsum, Medien und Freizeit muss erst erlernt werden. Der gelungene Aufbau von Beziehungen, von Freundschaft und auch die Beziehung zum eigenen Körper gelingt nicht immer auf Anhieb, sondern fordert häufig schmerzliche Erfahrungen. Die eigene Position zu Politik, zu verschiedenen Kulturen, zu Rechtsformen und zu einer für sich selbst als richtig empfundenen Einstellung zum Glauben und zu ethischen und religiösen Werten zu finden, ist ein weiterer Schritt, die eigene Identität unverfälscht zum Ausdruck zu bringen.

 

Der große Umbruch, also der Beginn der Pubertät, entsteht durch die Veränderung im hormonellen Kreislauf. Der Körper verändert sich und mit ihm seine Bedürfnisse. Zugleich ist die Psyche betroffen. Sie hat häufig Mühe, den Umbruch zu verkraften, und Eltern stehen hilflos da, wenn ihre Kinder scheinbar grundlos von „zu Tode betrübt“ bis „himmelhoch jauchzend“ die Stimmung wechseln und ihre Gebote und Verbote auf den Kopf stellen, was das Zusammenleben auf eine harte Probe stellen kann.

 

Der Körper sehnt sich nach neuen Formen der Berührung und des Kontakts zu Menschen des  anderen oder eigenen Geschlechts. Der Wunsch, seinen sexuellen Wünschen Ausdruck zu verleihen, wird gleichzeitig zu einem neuen Teil des Lebens. Auch hier ist ein riesiges Potenzial vorhanden, Freude und Glück zu erfahren, aber auch abgrundtiefe Verzweiflung durch Ablehnung, Isolation sowie mangelnde oder gestörte Beziehungen. Vor allem Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen haben Mühe, ihre Lebensweise zu verteidigen, und fürchten die Sanktionen einer vorwiegend heterosexuell orientierten Gesellschaftskultur. Doch auch Jugendliche mit Scheidungshintergrund der Eltern haben Mühe, gelungene Partnerschaften aufzubauen.

 

Heute stehen junge Menschen unter einem enormen Leistungsdruck durch Schule und berufliche Anforderungen, die parallel zu den inneren Persönlichkeitsveränderungen ablaufen. Der Wert eines Menschen wird häufig an dem gemessen, was er zu leisten vermag und was er an Einkommen besitzt, eher weniger an seinen persönlichen Fähigkeiten und Wertvorstellungen. Wer viel besitzt, ist besser angesehen. Die Werbung und eine auf Leistung und Konsum orientierte Umwelt tun ein Übriges dazu, dass sich junge Menschen überfordert fühlen und den Sinn dieser Gesellschaft in Frage stellen.

 

Schwierige ökonomische Bedingungen in der heutigen Situation verringern beträchtlich die Chancen, all diese Ideale überhaupt erfüllen zu können. Arbeitslosigkeit wird häufig als persönliches Versagen empfunden, obwohl gleichzeitig ein Überangebot an Arbeitsuchenden besteht und strukturelle Beschäftigungsmöglichkeiten fehlen. Die wirtschaftliche Krise in Deutschland führt nicht nur zu einer Herabsetzung der Lebensqualität, sondern hat vor allen Dingen Auswirkungen auf das psychische Erleben in Form von Resignation und Hoffnungslosigkeit. Vor allem Jugendliche sehen sich von diesem krassen Gegensatz besonders hart betroffen, da sie jetzt den Grundstein für eine gelungene, erfolgreiche Karriere legen sollen.

 

Durch diese hohen Anforderungen an junge Menschen, die durch eigene körperliche und seelische Veränderungen verschärft werden, werden Probleme häufig auf unkonstruktive Weise gelöst. Etwa ein Fünftel der Jugendlichen entwickelt sich in psychischer und körperlicher Hinsicht sehr ungünstig (Hurrelmann, „Lebensphase Jugend“). Zum Ausdruck kommen die Probleme dann in Form von Gewalt, autoaggressivem Verhalten, einer Sucht- und Drogenproblematik oder in einer Verweigerung des Schulbesuchs. Körperliche und psychische Erkrankungen und Auffälligkeiten können ebenfalls als Hinweis verstanden werden, dass sich junge Menschen dem Druck nicht mehr gewachsen fühlen. Diese als „soziale Desintegration“ bezeichnete Situation stellt für die schulische und außerschulische Jugendarbeit eine große Herausforderung dar, junge Menschen trotz der negativen Gegebenheiten und Einflüsse zu einem selbstbestimmten und lebenswerten Leben zu befähigen.

 

Für die außerschulische Jugendarbeit bedeutet das, jungen Menschen bei den bereits erwähnten sehr komplexen Entwicklungsaufgaben Unterstützung und Lösungsmöglichkeiten anzubieten. Wir sind bestrebt, den jungen Menschen nicht mehr in Ausschnitten oder Facetten, sondern ganzheitlich zu betrachten. Wir sind ebenso bestrebt, die Sicht der Adressaten einzunehmen und objektive Bedürfnisse und Anforderungen an junge Menschen einzubeziehen.

 

Die Jugend- und Familienförderung richtet ihre Arbeit entsprechend der vorgegebenen Ziele aus. Durch Jugendkulturarbeit können die Teilnehmer/innen ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten präsentieren. Die sport- und erlebnispädagogische Arbeit mit körperlich-erfahrensorientiertem Schwerpunkt sowie die einzelnen Angebote in den Jugendfreizeiteinrichtungen bieten Ansätze, junge Menschen in ihrer Lebenswelt zu begreifen und in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Ebenso bietet die allgemeine und politische Bildung die Möglichkeit, Jugendliche zu mündigen Bürgerinnen und Bürgern zu erziehen. Die Arbeit wird optimiert durch vielfältige Kooperationsformen im Bezirk und eine sozialräumliche Orientierung. Dadurch leistet die Jugend- und Familienförderung einen wichtigen Beitrag zur Prävention im Bereich der Jugendhilfe.

 

Folgende Schwerpunkte können für die Kinder- und Jugendarbeit in Charlottenburg-Wilmersdorf abgeleitet werden:

 

· Unterstützung und Entwicklung von sozialen Kompetenzen, einer Geschlechtsidentität und der Erreichung von Geschlechterdemokratie

Für junge Menschen ist es wichtig, Kompetenzen auf den Gebieten der Konfliktfähigkeit, der Empathie und Toleranz, der Selbst- und Fremdwahrnehmung, der Individuation und Identität, der Entwicklung einer sexuellen Orientierung und Handlungskompetenzen zum Aufbau von Partnerschaft und Entwicklung einer Geschlechterdemokratie zu erwerben.

 

Eine Vermittlung dieser Ziele ist allem pädagogischen Handeln immanent. Sie ziehen sich durch alle Angebote und Maßnahmen der Kinder- und Jugendarbeit wie ein roter Faden und sollen bei allem Tun bedacht und berücksichtigt werden.

 

· Vermittlung und Unterstützung bei der schulischen und beruflichen Entwicklung

Hilfestellungen beim Erkennen eigener Bedürfnisse und Fähigkeiten, flankierende Maßnahmen für einen erfolgreichen Bildungsweg, Erhöhung der Lernbereitschaft, Bereitstellung neuer „Lernorte“  außerhalb von Schule.

 

· Unterstützung bei der Entwicklung einer gesunden Lebensführung

Entwicklung einer physischen und psychischen Selbstwahrnehmung, Vermittlung von allgemeinen gesundheitlichen Kenntnissen und zur Sexualität, Beiträge zur Suchtprävention, zum Erkennen von Gefahren und eigenen Grenzen sowie zur körperlichen und geistigen Aktivität.

 

· Förderung von Kompetenzen im Rahmen kultureller Äußerungsformen

Auseinandersetzung über Religionen, Ethik und Moral, Weltanschauungen und allgemeine philosophische Fragen, Alltagskultur, interkulturelle Aspekte und Kennenlernen anderer Kulturen und Anschauungen, integrative Wirkungen, Entwicklung  von Medienkompetenzen.

 

· Vermittlung von gesellschaftlichen Werten und  Normen sowie politischem und ökologischem Bewusstsein.

Erwerb von Kompetenzen zur Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung, Teilhabe und Partizipation, Beherrschen und Akzeptieren demokratischer Entscheidungsfindung, Fähigkeiten zur kritischen Auseinandersetzung, Erwerb von Kenntnissen über wirtschaftliche, ökologische und energiepolitische Zusammenhänge, Reflexion des Konsumverhaltens und aktive Teilnahme am Umweltschutz.

 

Die nachfolgend aufgeführten Methoden und Angebotsformen der außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit dienen dazu, die o.a. Zielsetzungen in der tagtäglichen pädagogischen Arbeit zu erreichen und umzusetzen. Die Konzeptionen der Einrichtungen, ihre Profile und Angebotsformen richten sich nach diesen Zielen aus. So entsteht ein leistungsfähiges und pädagogisch ganzheitlich ausgerichtetes Angebot der Kinder- und Jugendarbeit im Bezirk.

 


 

3. Gender Mainstreaming / Geschlechtsdifferenzierte Arbeit mit Mädchen und Jungen

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Mit dem Beschluss des Bezirksamtes Charlottenburg-Wilmersdorf  Nr. 273 vom 28.10.2003 zur Einführung von Gender Mainstreaming werden erstmalig Ziele zur Gleichstellung der Geschlechter als Leitlinien zukünftigen Handelns für den Bezirk formuliert.

 

Gender Mainstreaming bedeutet, bei allen gesellschaftlichen Vorhaben die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern sowie Mädchen und Jungen von vornherein und regelmäßig zu berücksichtigen, da es keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit gibt.

 

Der Begriff „Gender“ kommt aus dem Englischen und bezeichnet die gesellschaftlich, sozial und kulturell erworbenen Geschlechtsrollen von Frauen und Männern. Diese sind – anders als das biologische Geschlecht (engl. Sex) – erlernt und damit auch veränderbar.

 

„Mainstreaming“, englisch für Hauptstrom, bedeutet, dass eine bestimmte inhaltliche Vorgabe, die bisher nicht das Handeln bestimmt hat, nun zum zentralen Bestandteil bei allen Entscheidungen und Prozessen gemacht wird.

 

Gesetzliche Grundlagen zur Umsetzung von „Gender“ wurden mit dem Kabinettsbeschluss der Bundesregierung vom 23. Juni 1999 geschaffen. Daneben findet sich die Verpflichtung zur Umsetzung und Beachtung von Gleichstellung im Sinne des Gender Mainstreaming auch in Bundesgesetzen wie dem § 9 Nr. 3 SGB VIII – Kinder- und Jugendhilfe-: „Bei der Aufgabenerfüllung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe müssen die unterschiedlichen Lebenslagen von Mädchen und Jungen berücksichtigt, Benachteiligungen abgebaut und die Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen gefördert werden.“

„Leitlinien geschlechtsdifferenzierter Arbeit mit Mädchen und Jungen für Charlottenburg-Wilmersdorf“ sind seit dem 25. Juni 2002 durch die Verabschiedung im Jugendhilfeausschuss verbindlich in der Mädchen- und Jungenarbeit im Bezirk umzusetzen.

 

Zur Begrifflichkeit „Geschlechtsdifferenzierter Arbeit mit Mädchen und Jungen“:

Während Geschlechtsspezifik die Arbeit mit geschlechtshomogenen Gruppen mit Mädchen oder Jungen meint, beinhaltet Geschlechterdifferenz (Geschlecht ist eine soziale Konstruktion) darüber hinaus, die Kategorie Geschlecht als ein Kriterium von Differenz auch im koedukativen Zusammenhang umzusetzen.

 

„Gender Mainstreaming“ und geschlechtsdifferenzierte Arbeit mit Mädchen und Jungen sind zwei unterschiedliche Strategien mit gleicher Zielsetzung. Sie ergänzen sich und können sich nicht gegenseitig ersetzen (Doppelstrategie).

 

3.1 Mädchenarbeit

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 Mädchenarbeit bzw. geschlechtsdifferenzierte Arbeit mit Mädchen ist ohne die Einbindung in den politischen Kontext der zweiten Frauenbewegung nicht denkbar und auch die Mädchenarbeit im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf hat hier ihre Wurzeln.

 

Die Mädchenarbeit in den 1970er- und 1980er Jahren war geprägt vom feministischen Aspekt der Befreiung von traditionellen Rollenzwängen und mithin politisch. Heute ist das pädagogische Handlungsfeld der Mädchenarbeit stark ausdifferenziert, theoretisch fundiert und weitgehend etabliert. Mädchenarbeit heute formuliert noch immer einen emanzipatorischen Anspruch, denn mit dieser Arbeit soll zu mehr Chancengleichheit und stärkerer Partizipation von Mädchen und jungen Frauen beigetragen werden. In der konkreten praktischen Arbeit mit Mädchen wird berücksichtigt, dass jedes Mädchen einzigartig und verschieden ist. Dieser Unterschiedlichkeit der Zielgruppe wird in der praktischen Arbeit Rechnung getragen, indem Mädchen mit ihren konkreten Bedürfnissen selbst im Mittelpunkt stehen. Mädchen werden in ihrem So-Sein akzeptiert und nicht als veränderungsbedürftig stigmatisiert. Somit ist Partizipation das Prinzip der Arbeit und findet sowohl seinen Ausdruck in den vielfältigen Möglichkeiten und Formen der Beteiligung von Mädchen als auch in der selbstreflexiven Haltung der Pädagoginnen. Die Arbeit mit Mädchen und jungen Frauen findet im Bezirk in speziellen Mädcheneinrichtungen statt und wird gleichzeitig als Querschnittsaufgabe begriffen. Das bedeutet, dass Mädchenarbeit, ebenso wie Jungenarbeit, selbstverständlich auch in koedukativen Einrichtungen ihren Ort hat. Hierbei bedienen wir uns der Instrumente, Arbeitsweisen, Methoden und Angebotsformen der außerschulischen und offenen Jugendarbeit.

 

Grundlegend für die Mädchenarbeit in Charlottenburg-Wilmersdorf sind folgende Paradigmen, die nur stichwortartig benannt werden sollen, da sie in den jeweiligen Konzeptionen der Einrichtungen ausgeführt werden:

·         Eigene Räume: Mädchen werden geschlechtshomogene Räume angeboten, in denen sie ihre Bedürfnisse ausleben können.

·         Ressourcenorientierung: Mädchen meistern stark und kompetent ihr Leben. In der täglichen Arbeit wird an jenen Stärken und Fähigkeiten angesetzt.

·         Vielfältigkeit: Mädchen werden zur Orientierung und Auseinandersetzung vielfältige Lebensentwürfe aufgezeigt. Dieser Pluralitätsgedanke bezieht sich insbesondere auch auf Interkulturalität und Sexualität.

·         Berufsorientierung: Mädchen wird eine Bandbreite von zukunftsträchtigen Berufen aufgezeigt, damit sie umfassend informiert die wichtige Phase der Berufsfindung bewältigen.

·         Zuflucht und Schutz: Mädchen wird in den Einrichtungen Hilfe bei sexueller, körperlicher und seelischer Gewalt gewährt.

 

Geleistet werden kann diese Arbeit nur von Pädagoginnen, die parteilich für die Mädchen, mit denen sie arbeiten, agieren. Das bedeutet, Sprachrohr für die Belange der Mädchen zu sein; Herrschaftsausübungen von Mädchen in den Blick zu nehmen; eine wertschätzende Haltung gegenüber den Mädchen einzunehmen; die Unterschiede zwischen Mädchen zu akzeptieren; Diskrepanzen zwischen den eigenen pädagogischen Ansprüchen und dem Wollen von Mädchen auszuhalten, gleichzeitig empathisch zu sein, um die eigenen Gefühle sichtbar machen zu können.

 

3.2 Jungenarbeit

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Ausgehend von den Zielen in der Kinder- und Jugendarbeit können folgende Handlungsbereiche in der pädagogischen Arbeit mit Jungen festgestellt werden:

·         Entwicklung einer eigenen Geschlechtsidentität bei Jungen und eine Auseinandersetzung um gesellschaftlich vorgegebene und überholte Rollenvorstellungen von Männlichkeit.

·         Entwicklung eines ausgeglichenen Gefühlserlebens und einer sozialen Kompetenz, die eine Auseinandersetzung um Ängste und Versagen, Ohnmacht und Grenzen zulassen kann und die Gewähr für die Entwicklung von echter Partnerschaft und Umgang mit anderen erst ermöglicht.

·         Auseinandersetzung zu Fragen von Gleichbehandlung und Gleichstellung der Geschlechter, die einen Beitrag zur Geschlechterdemokratie darstellen.

 

Jungenarbeit ist die bewusste und reflektierte Begleitung eines Jungen durch einen erwachsenen Pädagogen. Sie bedient sich der Instrumente und  Arbeitsweisen sowie der Methoden und Angebotsformen der außerschulischen und offenen Kinder- und Jugendarbeit.

 

Der erste Schritt in der Jungenarbeit ist der bewusste „Blick“ auf den jeweiligen Jungen. Er  entscheidet darüber, wie und in welcher Form auf den Jungen einzugehen ist. Ist es eher der „laute“ und aggressive oder eher der „leise“, der ängstliche Junge?

 

In der offenen Kinder- und Jugendarbeit haben wir aber meistens eher mit den Jungen zu tun, die Schwierigkeiten machen und unsere ganze Aufmerksamkeit erfordern.

 

Nach Sturzenhecker (Angaben zum Autor und Literaturangabe am Ende des Abschnitts i.d. Fußnote!) verbergen sich hinter den Problemen, die die Jungen machen, die Probleme, die sie haben: Hinter der Raumdominanz von Jungen verbirgt sich ein rollenspezifischer Behauptungskampf und übertriebener Männlichkeitskult. Hinter der Geräte-Technik-Dominanz der Jungen verbergen sich übertriebene Vorstellungen von Leistungszwang und überhöhter Vorstellungen von Spiel- und Technik-Kompetenz. Die Clique bedeutet hohe Anpassung an Männlichkeitsnormen und Untermauerung von Rollenklischees. Die Sexualisierung von Sprache verbirgt sexuelle Überforderung, Homophobie und  Versagensängste. Sexuelle Anmache und Gewalt gegen Mädchen verbirgt die Hilflosigkeit und Unkenntnis über positive Formen der Annäherung. Die Gewalt untereinander verbirgt eine emotionale Panzerung und Abwehr sowie eine  extreme Härte gegen sich selbst, Angstgefühle und  mangelndes Mitgefühl und mangelnde soziale Verantwortung. Mangelnde Eigenständigkeit und fehlende Kompetenzen zur Selbstorganisation, mangelnde Hygiene, ungesunde Lebensweisen, exzessiver Alkohol- und Drogenmissbrauch, extreme Mutproben und Gefahrensituationen verbergen Hilflosigkeit, Vereinsamung, mangelndes Körperbewusstsein, Ruinierung der Gesundheit.( Sturzenhecker: Jungenarbeit in der offenen Jugendarbeit)

 

In einer Jugendarbeit, die den geschlechtsdifferenzierten Ansatz nicht berücksichtigt, sind die Pädagogen in der Jugendeinrichtung im Alltag hauptsächlich mit den Problemen, die die Jungen machen, beschäftigt: zu disziplinieren, zu sanktionieren und durch eine permanente Auseinandersetzung die Einhaltung des Regelwerkes der Einrichtung zu garantieren. Die dahinter liegenden Probleme werden als solche nicht wahrgenommen bzw. als Probleme männlicher Sozialisation bzw. Rollenverhalten nicht verstanden. Die Jungen absorbieren durch ihr Verhalten die Aufmerksamkeit aller Mitarbeiter, auch die der Mitarbeiterinnen, so dass auch die Mädchen der Einrichtung vernachlässigt werden.

 

Über die klassischen Angebote in der „Arbeit mit Jungen“ –  z.B. über sport- und erlebnispädagogische Angebote, über offene Arbeit oder in anderen Formen der Gruppenangebote und Projekte im Jugendhaus –  muss mit den Möglichkeiten der Beziehungsarbeit durch den reflektierten und bewussten männlichen Mitarbeiter die Nähe zu den Jungen aufgebaut werden. Innerhalb einer geschützten und geschlechtshomogenen Jungengruppe und in der Begegnung zwischen einem erwachsenen und reflektierten Mann und den Jungen wird eine Atmosphäre geschaffen, die es beiden Seiten ermöglicht sich zu öffnen, um an den Problemen ,die die Jungen haben und die sie machen, arbeiten zu können.

 


 

4. Methoden der Kinder- und Jugendarbeit

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4.1 Partizipation

 

Die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an allen sie betreffenden Entscheidungen ist als Ziel heute gesamtgesellschaftlich anerkannt und gesetzlich festgeschrieben (UN-Kinderrechtskonvention, Kinder- und Jugendhilfegesetz § 8). Partizipation, d.h. Teilhabe und Beteiligung von Kindern und Jugendlichen, ist damit zu einem Querschnittsthema für verschiedenste gesellschaftliche Bereiche geworden.

 

Partizipation ist Gestaltungsmacht und bedeutet, Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit zu bieten, ihr Recht wahrzunehmen, die Gesellschaft, in der sie leben und aufwachsen, aktiv mitzugestalten.

Wo Kinder und Jugendliche, Mädchen und Jungen, junge Frauen und junge Männer mitmachen, soll ihre Mitwirkung auch Wirkung zeigen.

 

Wir fördern den gesellschaftlichen Gestaltungsanspruch von Kindern und Jugendlichen in unseren Einrichtungen, der nur dann erfüllt ist, wenn folgende Kriterien berücksichtigt sind:

·         Es gibt tatsächlich etwas zu entscheiden.

·         Kinder und Jugendliche können sich direkt und indirekt beteiligen.

·         Kinder und Jugendliche werden über ihre Mitbestimmungsrechte aufgeklärt.

·         Bei jeder Beteiligung wird ein weit gehender Informationsgleichstand hergestellt, inhaltlich vorbereitet und von kompetenten Vermittler/innen unterstützt.

·         Die Attraktivität von Beteiligungsformen wird gewährleistet. Dies wird u.a. über reale Gestaltungsmöglichkeiten, Lebensweltbezug, Altersangemessenheit und Methodenvielfalt erreicht.

·         Zwischen der Planung und der Umsetzung von Beteiligungsvorhaben bestehen enge zeitliche Zusammenhänge.

·         Für gelingende Beteiligungsprojekte ist das Funktionieren von Kommunikation und Interaktion eine wesentliche Grundlage.

·         Die Ergebnisse der Beteiligung sind für die Kinder und Jugendlichen nachvollziehbar und erkennbar.

·         Die Ergebnisse werden in die Entscheidungsabläufe von Politik und Verwaltung einbezogen.

 

Institutionen der Partizipation/Politischen Bildung in Charlottenburg-Wilmersdorf:

·         das Kinder- und Jugendparlament

·         der Bezirksschülerausschuss

·         Mitspracherecht im Jugendhilfeausschuss und Spielplatzkommission

·         Beteiligung an der Angebotsplanung und Ausstattung in den Jugendclubs

 

4.2 Bildung

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Die Kinder- und Jugendarbeit ist vom Gesetzgeber als Bildungsaufgabe genannt (§ 11 SGB VIII / KJHG). Hervorgehobener Inhalt der Kinder- und Jugendarbeit ist die außerschulische Bildung. Sie basiert auf den Prinzipien Freiwilligkeit, Lebensweltbezug und Partizipation. Mit der Beschreibung des Bildungsauftrags als allgemeine, politische, soziale, gesundheitliche, kulturelle, musische, naturkundliche und technische Bildung wird die Vielfalt der Aktivitäten und Ansätze in der Kinder- und Jugendarbeit deutlich. Die Bildungsaufgabe ist ein eigenständiger Bestandteil unserer Arbeit, dem eine zentrale Bedeutung zukommt.

 

Dabei ist der Charakter der außerschulischen Bildung nicht komplementär zu den Erfordernissen der schulischen Bildung. Wir gehen davon aus, dass Kinder und Jugendliche durch die sogenannte „informelle Bildung“, durch die selbständige, freiwillige und aktive Auseinandersetzung mit ihrer unmittelbaren Lebenswelt und deren Anforderungen an sie, sich Fähigkeiten und Kenntnisse aneignen, bei deren Entwicklung wir sie fördern und stützen wollen. Unser Hauptaugenmerk liegt auf der Entwicklung von Selbstbewusstsein und Selbstbestimmung sowie dem Erlernen von Demokratieverständnis und der aktiven Beteiligung und Einflussnahme.

Um diese Ziele zu erreichen, bieten wir z.B. Selbstverteidigungs- und Selbstbehauptungsgruppen für Mädchen und junge Frauen an. Aktive Beteiligung und Einflussnahme fördern wir insbesondere durch das Kinder- und Jugendparlament, durch zahlreiche internationale Jugendbegegnungen mit intensiver Vor- und Nachbereitung und in unserem bezirklichen Bündnis „Demokratie Jetzt!“. Bildung und die damit einhergehende Entwicklung der Persönlichkeit ist ein kontinuierlicher Prozess, der sich über die Schulzeit hinaus fortsetzt. Auf diesem Weg wollen wir Kinder und Jugendliche begleiten und ihnen ein möglichst gutes Rüstzeug für ihren weiteren Lebensweg mitgeben.

 

4.3 Politische Bildung

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Politische Bildung baut auf Partizipation auf und prägt junge Menschen in ihrer Bereitschaft zur Mitgestaltung und Mitveränderung. Damit bildet sie die subjektive Grundlage für gesellschaftliches und bürgerschaftliches Engagement. Insofern spiegeln sich die Ziele der politischen Bildung in allen Angeboten der Jugend- und Familienförderung wieder.

 

Ein Bereich der Politischen Bildung sind die Internationalen Jugendbegegnungen. Wir ermöglichen durch Seminare und Reisen das Kennenlernen junger Menschen aus anderen Kulturen mit anderer Mentalität und Lebensweise. Wir erreichen damit mehr Verständnis, Toleranz und ein friedlicheres Miteinander. Dabei hat die Pflege und der Ausbau der Beziehungen zu unseren bezirklichen Partnerstädten eine herausgehobene Bedeutung. Insbesondere die im Rahmen der EU-Osterweiterung neu hinzugekommenen Beitrittsländer wie Polen wollen wir besser kennen lernen und die bestehenden Kontakte intensivieren.

 

Politische Bildungsarbeit für Kinder und Jugendliche in Charlottenburg-Wilmersdorf wird in enger Zusammenarbeit mit folgenden Institutionen geplant und durchgeführt:

·         Bündnis „Demokratie Jetzt!“ Charlottenburg-Wilmersdorf

·         Landeszentrale für politische Bildung

·         Aktion Sühnezeichen

·         Landesjugendring e.V.

·         Junge Volkshochschule City West

·         und andere

 

4.4 Interkulturelle Jugendarbeit

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In Charlottenburg-Wilmersdorf besuchen immer mehr junge Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen unsere Einrichtungen. Jugendarbeit muss sich daher stärker als bisher den Aufgaben stellen, junge Menschen mit Migrationhintergrund anzusprechen und bei allen Jugendlichen interkulturelles Lernen zu initiieren. Durch den lebensweltbezogenen Ansatz unserer Jugendarbeit kann die Interkulturelle Bildung eine bedeutsame Rolle einnehmen.

Zielsetzung unserer Arbeit ist, das Bewusstsein und die Haltung für Andersartigkeit und Vielfalt gegenüber dem kulturell Andersdenkenden zu fördern. Auch hierbei bedienen wir uns der gesamten Angebotspalette der Jugendarbeit. Internationale Jugendbegegnungen vermitteln Kenntnisse, Wissen und Respekt für die fremde Kultur.

 

Jugendliche nichtdeutscher Herkunft nehmen an den vielfältigen Angeboten unserer Einrichtungen teil. In der offenen Jugendarbeit gibt es mehrfach ein deutliches Übergewicht ausländischer Jugendlicher gegenüber den Jugendlichen deutscher Herkunft. Häufig wird diese Heterogenität als mögliches Konfliktpotential eingeschätzt, das zu Ausgrenzungen oder Rassismus führen kann. Hier versteht sich interkulturelle Arbeit als verbindende Jugendarbeit, die Verständnis für andere erzeugt sowie zur Überwindung von Trennungen und zum Abbau von Diskriminierung beiträgt.

 

Um eine erfolgreiche Integration zu fördern, ist die Anerkennung und Wertschätzung der Herkunftskulturen eine wichtige Voraussetzung. Das setzt voraus, dass Mitarbeiter/innen in einem möglichst interkulturell und geschlechterparitätisch besetzten Team über interkulturelle Kompetenzen verfügen. Interkulturelle Kompetenz beinhaltet:

·         respektvolle und tolerante Haltung

·         das Wissen über unterschiedliche kulturelle Bedeutungssysteme

·         Verschiedenheiten und Gemeinsamkeiten anerkennen und wertschätzen

·         Diskriminierungserfahrungen offen diskutierbar machen

·         Reflexion der eigenen kulturellen Hintergründe und Wertesysteme

 

4.5 Jugendkulturarbeit

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Kulturelles Schaffen fördert den eigenen Ausdruck, die Spontaneität sowie die Fähigkeit zur Gruppenarbeit. Jugendkulturarbeit intensiviert und sensibilisiert das gesamte Empfinden.

 

Jugendkultur ist eine Alltagskultur und geht in der Regel direkt von einzelnen „Jugendszenen“ aus. Insbesondere Musik hat einen sehr hohen Stellenwert für die Jugendlichen. Praktisch jede jugendkulturelle Bewegung der letzten 30 Jahre hat ihren Ursprung in musikalischen Ausdrucksformen. Die kritische Auseinandersetzung und das aktive „Umgehen“ mit Jugendkultur braucht Möglichkeiten und fachkundige Pädagoginnen und Pädagogen mit vielfältigen Zusatzqualifikationen (musisch, technisch, künstlerisch). Hierfür sollten „Räume“ im doppelten Sinn des Wortes  zur Verfügung gestellt werden, in denen sich die Jugendlichen kreativ entfalten und entwickeln können.

 

Jugendkulturarbeit berücksichtigt diese Aspekte durch die vielfältigen Formen der Unterstützung jugendkultureller Äußerungsformen und durch die Heranführung an kulturelles Schaffen. Darüber hinaus ist Jugendkulturarbeit aber auch ein hervorragendes Medium, um Themen, die Jugendliche bewegen und sie ansprechen sollen, zu transportieren. So werden durch die verschiedensten  künstlerischen Ausdrucksformen und Techniken Möglichkeiten geschaffen, sich mit politischen oder auch mit individuellen und zwischenmenschlichen Themenfeldern und Problemen auseinander zu setzen. In Form von interdisziplinären Projekten unter Einsatz verschiedener Medien und Techniken können so auch komplexere Themen durch die Verbindung von Musik und Tanz bzw. Musik und Theater, Videofilm und Tonstudio usw. bearbeitet werden.

 

Jugendkulturarbeit setzt an den Stärken und Interessen von Kindern und Jugendlichen an. Das spielerische Formen von Materialien und Medien, das Gestalten von Theaterszenen, Tanz- und Musikdarbietungen lässt eigene Gedanken und Gefühle zu und bietet einen Ausgleich und ein Refugium zu den Anforderungen der Alltagswelt. Die Präsentation und Darstellung der Ergebnisse in Form von Konzerten, Theateraufführungen, Filmvorführungen und Tanzvorführungen usw. bedeuten für die Jugendlichen eine große Herausforderung und einen besonderen Höhepunkt.

 

Ob Jugendfreizeitheim, Abenteuerspielplatz oder Jugendkulturzentrum, an all diesen Orten kann das Medium Jugendkulturarbeit eingesetzt werden, um Kindern und Jugendlichen Erfolgserlebnisse und Möglichkeiten der Selbstbestätigung und Selbstverwirklichung zu ermöglichen.

 

4.6 Medienarbeit

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Medienkompetenz gehört gerade für junge Menschen zu den wesentlichen Qualifikationen im Lebens- und Berufsalltag. Medienarbeit hat das zentrale Ziel und die Aufgabe, junge Menschen in Zeiten moderner Informations- und Kommunikationstechnologien für ein selbstbestimmtes Leben zu befähigen und sie zu qualifizieren, sich inhumanen und manipulierenden Einflüssen zu widersetzen. Hierbei sind die Medien nicht nur in ihren Risiken, sondern auch in ihren Möglichkeiten und Chancen zu sehen. Kritischer Umgang mit Medien bedeutet nicht Medienabstinenz, sondern eine aktive Auseinandersetzung mit ihnen. Medienarbeit soll junge Menschen „fit machen“ für die Teilnahme an der gesellschaftlichen und sozialen Kommunikation.

 

Der Stellenwert von Medien wie Video, Computer, Mailboxen, Netzwerken etc. in der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen steigt. Für die Kinder- und Jugendarbeit stellen die Medien ein wichtiges Lern- und Freizeitfeld dar. In unseren Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit sollen Kinder und Jugendliche, neben der Förderung der Kritikfähigkeit im Konsum von Mediendarstellungen, Erfahrungen mit Medien machen können, die ihnen Kompetenzen zur aktiven Nutzung und Gestaltung dieser Medien vermitteln. Neben Videoprojekten, PA-Workshops etc. ist der Erwerb von Wissen im Bereich der neuen Kommunikations- und Informationstechnologien eine der wichtigsten Aufgaben der Medienarbeit in unseren Einrichtungen. Ein Medienkompetenzzentrum und drei Jugend-infopoints, gefördert im Rahmen des Landesprogrammes „jugendnetz-berlin.de“, leisten hier einen wesentlichen Beitrag, Kinder und Jugendliche frühzeitig mit den Technologien vertraut zu machen und ihnen zu weiterführenden Kompetenzen zu verhelfen. Daneben stehen Kindern und Jugendlichen im Bereich der offenen Arbeit mehrere Internetcafés zur Verfügung, in denen sie ihre ersten Erfahrungen mit dem Medium Internet spielerisch machen können.

 

4.7 Offene Arbeit

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Der offene Bereich einer Kinder- und Jugendeinrichtung ist gekennzeichnet durch niedrigschwelligen Zugang, Offenheit und geringen Verpflichtungsgrad. Raum und Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme stehen spontan und situativ zur Verfügung. In ihm können die Kinder und Jugendlichen sich entspannen und relaxen, er ist Treffpunkt und Kommunikationsort untereinander und bietet auch die Gelegenheit, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Einrichtung kennen zu lernen. Darüber hinaus ist er ein „Brückenraum“ zu weiterführenden strukturierteren Angeboten in der Einrichtung.

 

Im offenen Bereich kommt eine Fülle von Handlungsfeldern sozialpädagogischer Arbeit zum Tragen: In ihm soll Raum zum Spielen und Ausprobieren gegeben, aber auch die Begegnung und Kommunikation untereinander ermöglicht werden. Einerseits sollen Offenheit und Zugänglichkeit, anderseits aber auch Schutz und Schonraum für alle Nutzergruppen gewährleistet werden; d.h. einerseits den Blick auf die Mädchen und Jungen zu richten, ansprechbar zu sein und das Entree in die Einrichtung zu erleichtern, andererseits aber die Balance zu halten, um ein möglichst gering strukturiertes Handlungsfeld für die Kinder und Jugendlichen zu bieten. Gleichzeitig sollen Anregungen für Jugendliche vorhanden sein und gezielt auf die weiteren Angebote des Hauses hinführen. Der offene Bereich ist somit die Visitenkarte der Einrichtung.

 


 

5.  Prävention / Sozialräumliche Orientierung

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Die Jugend- und Familienförderung widmet sich auch präventiven Ansätzen, die auf stabile Verhältnisse und Hilfeangebote für junge Menschen und Familien setzen, um Fehlentwicklungen vorzubeugen: Förderung der Erziehung in der Familie, Familienbildung, Maßnahmen des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes, Jugendsozialarbeit und niedrigschwellige Beratungsangebote, die die Eigenverantwortung der jungen Menschen und die Erziehungsfähigkeit der Familie stärken.

 

Der Blick auf den Nahraum, auf die Lebensbezüge und entsprechenden Zusammenhänge der Kinder, Jugendlichen, Familien und Erwachsenen ist für die außerschulische Kinder- und Jugendarbeit mit ihren Kinder- und Jugendeinrichtungen dabei ein wichtiger Aspekt in der pädagogischen Arbeit. Vernetzung und Kooperation mit anderen Institutionen (z.B. Schule), Initiativen, generationsübergreifende und gemeinwesenorientierte Ansätze waren und sind ein wichtiger Bestandteil der alltäglichen Praxis der Kinder- und Jugendarbeit. Sozialräumliche Strategien und Ansätze soziokultureller Arbeit haben wichtige Impulse in den Stadtteilen, insbesondere in sozial besonders belasteten Gebieten erwirkt.

 

Sozialraumorientierung soll den Fokus der Jugendhilfe auf die Bedürfnisse der Bevölkerung im jeweiligen Wohngebiet richten. Sie soll die Selbsthilfekräfte und die Eigeninitiativen forcieren und so zur Identifizierung mit dem sozialen Nahraum beitragen, sie soll die Ressourcen eines Raumes optimal vernetzen und Kompetenzen zielgerichtet bündeln.

 

Für die Kinder- und Jugendarbeit bedeutet dies, in den jeweiligen Sozialräumen ein profiliertes, aufeinander abgestimmtes, zielgerichtetes und vernetztes Angebot zu entwickeln. Jungen Menschen soll in den jeweiligen Räumen eine möglichst umfassende Unterstützung bei der Bewältigung der Entwicklungsaufgaben zuteil werden. Alle Kinder- und Jugendeinrichtungen, die verschiedenen Dienste des Jugendamtes, Initiativen und freie Träger, die örtlichen Schulen und andere Dienstleister beteiligen sich an einem an diesem Ziel ausgerichteten möglichst flächendeckenden Angebot. Dieses System führt dazu, dass sich die lokalen Akteure engagieren und profilieren und somit einen wesentlichen präventiven Beitrag der Jugendhilfe im sozialen Nahraum leisten. Aufgabe der Jugend- und Familienförderung wird es sein, arbeitsfähige Gremien und vernetzte Strukturen in den jeweiligen Regionen zu schaffen und den Gedanken der sozialräumlichen Orientierung weiterzuentwickeln.

 


 

6. Kinder- und Jugendschutz

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Der erzieherische Kinder- und Jugendschutz soll jungen Menschen persönliche Handlungskompetenzen vermitteln und sie befähigen, sich selbst gegen gefährdende Einflüsse zu behaupten. Er soll Eltern und andere Erziehungsberechtigte besser befähigen, Kinder- und Jugendliche vor gefährdenden Einflüssen zu schützen.

 

Aufgabenschwerpunkte des erzieherischen Kinder- und Jugendschutzes sind insbesondere:

·         Medienpädagogik (s. 4.6 )

·         Gesundheitserziehung einschl. Sexualerziehung, Aids- und Suchtprävention: Neben den legalen Suchtmitteln wie Alkohol und Nikotin sind die leistungssteigernden, euphorisierenden Drogen wie Ecstasy eine wachsende Gefahr für Kinder und Jugendliche. Neben jugendtypischem Probierkonsum erweist sich der Missbrauch von Suchtmitteln als Bewältigungsversuch von Krisen- und Belastungssituationen und als Verdrängungs- und Fluchtverhalten. Entsprechende Beratungsangebote und Projekte sollen junge Menschen über die Gefahren aufklären und ihnen Wege zu einem gesunden, eigenverantwortlichen und sinnvollen Leben zeigen.

· Information und Aufklärung über sog. Sekten, fundamentalistische Religionsgemeinschaften und Psychogruppen: Viele bisher allgemein akzeptierten Werte und Grundhaltungen verlieren in der heutigen Gesellschaft zunehmend an Verbindlichkeit. Eine große Zahl insbesondere auch junger Menschen befindet sich deshalb auf der Suche nach neuen, sinnstiftenden Daseinsinhalten. Sie sind besonders anfällig für Angebote neureligiöser Gruppierungen und fundamentalistische Ansätze. Um junge Menschen vor solchen Gefährdungen zu bewahren, ist es Aufgabe der Jugend- und Familienförderung, junge Menschen und ihre Familien zu informieren und aufzuklären.

· Rechtsextreme Orientierungen: Die Bekämpfung von Rechtsextremismus, Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt ist eine zentrale Aufgabe der Jugendarbeit. Präventive Beratungs- und Gruppenangebote sollen dazu beitragen, dass junge Menschen nicht wegen ihres Aussehens, Glaubens, ihre Nationalität oder Weltanschauung stigmatisiert und ausgegrenzt werden. Überdies soll die Teilnahme am Kinder- und Jugendparlament das Verständnis für politische Sachverhalte fördern, das demokratische Bewusstsein festigen, die politische Mitarbeit stärken und junge Menschen von den Werten einer freien pluralistischen Gesellschaft überzeugen.

· Delinquenz- und Gewaltprävention: Die Zunahme gewaltbereiten und aggressiven Verhaltens von Kindern und Jugendlichen ist besorgniserregend. Sie verweist auf Erziehungsdefizite und Probleme der sozialen und gesellschaftlichen Integration junger Menschen. Gewaltprävention und Maßnahmen zur Eindämmung von Gewalt müssen konkret beim Kind und beim Jugendlichen ansetzen und dabei geschlechtsspezifische Unterschiede berücksichtigen. Entsprechende Bildungsangebote sollen das Zusammenleben in der Familie fördern und konstruktive Wege einer gewaltfreien Konfliktlösung zeigen. Darüber hinaus fördern spezielle Familienfreizeiten die Kommunikationsfähigkeit in der Familie und vermitteln somit Erziehungssicherheit und Erziehungskompetenz.

 

Der gesetzliche Jugendschutz ist neben den Ordnungs- und Gewerbeämtern in Zusammenarbeit mit der Polizei auch Aufgabe der Jugend- und Familienförderung. Das Jugendschutzgesetz will durch Beschränkungen und Sanktionen Einfluss auf das Angebot an potentiellen Jugendgefährdungen nehmen. Es wendet sich mit seinen Ge- und Verboten nicht unmittelbar an Kinder und Jugendliche und deren Eltern, sondern an Gewerbetreibende und Veranstalter, die Gefährdungen verursachen können. In Kooperation mit o.g. Partnern ist die Kontrolle der Einhaltung der Jugendschutzgesetze eine wichtige Aufgabe der Jugend- und Familienförderung. Insofern ist sie Ansprechpartner und Berater für Sorgeberechtigte, Eltern, Veranstalter, Behörden, Institutionen und kommerzielle Anbieter. Das Jugendarbeitsschutzgesetz regelt zudem die Beschäftigung von Kindern in Ausnahmefällen und gewährt Jugendlichen einen besonderen Schutz in Arbeitsverhältnissen.

 


 

7. Jugendsozialarbeit

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Soziale Integration und berufliche Zukunftsperspektiven sind entscheidende Faktoren für eine selbständige und eigenverantwortliche Lebensführung und für die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen.

Junge Menschen, die zum Ausgleich sozialer Benachteiligungen oder zur Überwindung individueller Beeinträchtigungen in erhöhtem Maße auf Unterstützung angewiesen sind, erhalten sozialpädagogische Hilfen, die ihre schulische und berufliche Ausbildung, Eingliederung in die Arbeitswelt und ihre soziale Integration fördern.

 

Schwerpunkte unserer Angebote der Jugendsozialarbeit nach § 13 Abs. 1 SGB VIII sind insbesondere:

· Schulbezogene Jugendsozialarbeit: Schule und Schulsozialarbeit stehen in einem Spannungsverhältnis zueinander aufgrund unterschiedlicher pädagogischer Aufträge. Auf der einen Seite die staatlich organisierte und legitimierte Schulpädagogik und auf der anderen Seite die Jugendhilfe, deren Aufgaben in der Hilfe und Gestaltung jugendlicher Lebenswelten außerhalb der Schule liegen. Eine verstärkte Zusammenarbeit und die Entwicklung von effektiven Kommunikationsstrukturen soll nicht nur den beruflichen Alltag regeln und gestalten, sondern auch die unterschiedlichen beruflichen Grundpositionen würdigen.

Leistungsbereiche der Schulbezogenen Jugendarbeit sind:

-                     offene Angebote/Schülercafés

-                     freizeitpädagogisch orientierte Gruppenangebote/Projektarbeit

-                     Schularbeitshilfe

-                     Individuelle Beratung

-                     Schulstationen

·  Projekte zur beruflichen Orientierung in der Jugendarbeit: Der Aufbau einer Berufsperspektive ist für die Lebensplanung von jungen Menschen eine der wichtigsten Entwicklungsaufgaben. Der geschlechtsdifferenzierte Ansatz bei unseren Angeboten ist begründet durch unterschiedliche berufliche Interessen von Mädchen und Jungen. Gemeinsam mit allen zur Verfügung stehenden arbeitsmarktpolitischen Interessenverbänden sollen junge Menschen schon frühzeitig vor Abschluss der Schule über ihre Möglichkeiten am Ausbildungsmarkt und auf  unterschiedliche Berufsbilder praxisnah informiert werden.

· Hinausreichende Jugendarbeit: Hinausreichende Jugendarbeit richtet sich an junge Menschen, für die die Straße ein zentraler Sozialisations- und Lebensraum ist. Es sollen Einzelne oder Gruppen von Heranwachsenden angesprochen werden, die bezüglich ihres Verhaltens gefährdet oder auffällig geworden sind. Durch Freizeitangebote, Informationen und Thematisierung von Gewalt- und Suchtproblemen soll versucht werden, präventiv Gefährdungspotentiale zu minimieren. Durch niedrigschwellige Angebote sollen Ängste und Vorbehalte gegenüber öffentlichen Einrichtungen abgebaut bzw. reduziert werden.

 


 

8. Sport - und erlebnispädagogische Arbeit

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Mit Fußball, Volleyball, Inlineskaten und BMX-Rennen, mit Segelangeboten und Kanutouren,  mit Kletterkursen und Fitnessangeboten, mit Abenteuerspielplätzen und Erholungsgeländen wird jungen Menschen im Rahmen der Kinder- und Jugendarbeit in Charlottenburg-Wilmersdorf ein lebendiges und nicht auf Konkurrenz und Leistungsdruck basierendes umfassendes „Wellnessangebot“ unterbreitet.

 

In Anbetracht der Debatten um ungesunde Lebensweisen, mangelnde Bewegung, Fettleibigkeit und falsche Ernährung gerade der Kinder und Jugendlichen in heutiger Zeit sind diese Möglichkeiten der sinnvollen Freizeitgestaltung ein wichtiger Beitrag zu einer gesunden Entwicklung junger Menschen, wobei ein hoher Grad an Selbstorganisation und der Spaß sowie das positive Gruppengefühl unter Gleichaltrigen im Vordergrund stehen.

 

Jugendalter bedeutet im hohen Maße die Auseinandersetzung um Grenzerfahrung und sich Ausprobieren. Die Möglichkeiten der Erlebnispädagogik bieten Experimentierfelder für Mädchen und Jungen unter fachkundiger pädagogischer Anleitung. Sie bieten die Erfahrung, sich in der Natur zu erleben und die Natur neu zu entdecken, sich Herausforderungen zu stellen, mit nicht alltäglichen Situationen zurecht kommen zu müssen und dabei in einer Gruppe von Gleichaltrigen Erfahrungen von Stärke und Geborgenheit zu machen.

 

Angebote der Kinder- und Jugenderholung (Kinder in Luft und Sonne, Feriencamp Kirchvers) sowie Jugendgruppenreisen der Jugendfreizeiteinrichtungen sollen durch eine zeitweise Herauslösung aus dem Alltagsumfeld die im Alltag zunehmend verschütteten kreativen Fähigkeiten wieder wecken und durch Maßnahmen und Reisen an andere Orte neue Erfahrungshorizonte eröffnen. Damit leistet die Kinder- und Jugenderholung einen wichtigen Beitrag für Kinder und Jugendliche, um wieder neu aufzutanken und sich der Bewältigung der Alltagsanforderungen neu stellen zu können.

 


 

9Ziele der Förderung von Familien

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Die Familie ist nach wie vor der wichtigste Ort für die Erziehung und Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen. Wie keine andere Institution bietet sie jungen Menschen die nötige Sicherheit und emotionale Geborgenheit. Kennzeichnend für die aktuelle Situation der Familie sind folgende Entwicklungen:

 

· Die Kernfamilie ist trotzt steigender Scheidungsraten die überwiegende Lebensform von Familien mit minderjährigen Kindern. Das Aufwachsen in Ein-Kind-, vor allem aber in Scheidungsfamilien ist häufig mit Problemen für die betroffenen Kinder verbunden. Einzelkinder haben kindbezogene Erwartungen der Eltern allein zu erfüllen. Bei Elternkonflikten erfahren sie keine Entlastung und Unterstützung durch Geschwister. Scheidungskinder leiden unter der Trennung der Eltern und reagieren häufig mit Verhaltensauffälligkeiten. Das erweiterte Beziehungsgeflecht von „Patchworkfamilien“ erfordert hohe Anpassungsleistungen von Kindern wie von Erwachsenen.

· Von Arbeitslosigkeit und geringem Einkommen sind zunehmend auch Familien mit minderjährigen Kindern betroffen. Der Anteil der Ein-Eltern-, der kinderreichen und ausländischen Familien sowie der von Langzeitarbeitslosigkeit betroffenen Familien unter den Sozialhilfeempfängern ist besorgniserregend. Eine ungünstige ökonomische Situation beeinträchtigt die elterliche Erziehungskraft und die Entwicklungs- und Entfaltungschancen von Kindern und Jugendlichen.

 

Verstärkt präventive Ansätze in der Angebotsstruktur sowie allgemeine Beratungs- und Hilfeangebote sind daher besondere Schwerpunkte der bezirklichen Familienförderung.

 

Die Gründung des „Lokalen Bündnisses für Familie“ in unserem Bezirk soll bezirksweit die Zusammenarbeit in den Sozialräumen mit Trägern der kommunalen und freien Jugendhilfe sichern.

 

9.1 Methoden der Familienarbeit

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Durch niedrigschwellige Angebote werden Ängste und Vorbehalte gegenüber öffentlichen Einrichtungen abgebaut oder reduziert. Außerdem werden Familien in belasteten Lebenssituationen durch adäquate Beratung bzw. Weitervermittlung unterstützt. Wir wollen durch eine stabile und entlastende soziale Infrastruktur Familien pragmatisch bei der Bewältigung ihres ganz konkreten Alltags unterstützen und somit eine gelungene Elternschaft fördern.

Es werden spezielle Gruppenangebote präsentiert, um die Kommunikationsfähigkeit innerhalb der Familie zu verbessern und darüber hinaus eine größere Erziehungssicherheit und Erziehungskompetenz zu vermitteln. Unser Anliegen ist es, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten und im Rahmen von Bildungsveranstaltungen konstruktive Wege für eine gewaltfreie Konfliktlösung aufzuzeigen.

 

9.2 Familienfreizeit

 

Entspannung und Erholung stellen einen wichtigen Ausgleich zu den körperlichen und psychischen Belastungen in Beruf und Familienarbeit dar. Durch Anregung, aktive Unterstützung und Durchführung von Veranstaltungen für die ganze Familie werden die Erziehungskompetenzen gestärkt und die positiven Beziehungen unter den Familienmitgliedern gefördert.

 


 

10.  Öffentlichkeitsarbeit

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Mit einer effektiven und innovativen Öffentlichkeitsarbeit, unter Einbeziehung von Sponsoring und Fundraising, werden die Angebote aller in den Sozialräumen ansässigen vernetzten Institutionen zeitgemäß präsentiert und für die Zielgruppen transparent dargestellt. Erreicht wird dies durch

·         Vernetzung der Institutionen im Sozialraum und Nutzung einer gemeinsamen Internetplattform, auf der alle Angebote für Kinder, Jugendliche und Familien präsentiert werden

·         Darstellung der Arbeit auf Festen und Veranstaltungen

·         Zeitgemäße Werbung mit Wiedererkennungswert

·         vielfältige Nutzung der Printmedien

 


 

11.  Rahmenbedingungen

 

11.1 Innere Rahmenbedingungen

 

Die Leistungen und Angebote der Kinder-, Jugend- und Familienarbeit stehen in einer Wechselwirkung zu den Zielvorgaben dieser Rahmenkonzeption sowie der weiteren fachlichen und politischen Entscheidungsgrundlagen und Vorgaben.

 

Sozialpädagogisches Handeln muss sich und seine Leistungen transparent machen und hinterfragen lassen. Veränderungen und qualitative Verbesserungen durch Maßnahmen auf dem Gebiet des Qualitätsmanagements wie Selbstreflexion, Evaluationsverfahren und Wirksamkeitsdialogen tragen dazu bei, dass sich unsere Arbeit weiterentwickelt und sich ihre Leistungsfähigkeit erhöht.


Zur Sicherung eines fachlichen Diskurses über die Wirkungsweisen unserer Arbeit wird daher ein Ziel-Ergebniskreislauf mit entsprechenden Zielvereinbarungen, Jahresplänen etc. und einer darauf basierenden Ergebnissicherung mit qualifiziertem Berichtswesen eingerichtet. Hierzu dient u.a. auch das „Handbuch zum Qualitätsmanagement in der Berliner Jugendarbeit“, das verbindlich in den Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit eingesetzt wird. Da bisher noch nicht alle Facetten der Angebote und Maßnahmen der Kinder- und Jugendarbeit im Handbuch Aufnahme gefunden haben, werden hierfür geeignete Verfahrensweisen im Konsens mit den Einrichtungen weiter entwickelt.

 

In der Mädchen- und Jungenarbeit hat der fachliche Austausch und die gegenseitige Unterstützung durch Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie durch  zusätzliche Angebote wie „Coaching“ einen sehr hohen Stellenwert. Dies wird u.a. auch durch die Arbeit des AK „Mädchenarbeit“ und „Jungenarbeit“  gewährleistet. Die aktive Mitarbeit und Teilnahme wird allen Mitarbeitern ermöglicht.

 

11.2 Äußere Rahmenbedingungen

 

Um eine erfolgreiche Kinder-, Jugend- und Familienarbeit umsetzen zu können, müssen eine ausreichende Personal- und Finanzausstattung sichergestellt sowie die erforderlichen Räume und Ausstattungen garantiert werden. Die verwaltungstechnischen Bedingungen müssen einen flexiblen Spielraum entsprechend der Anforderungen einer offenen Kinder-, Jugend- und Familienarbeit berücksichtigen und Anreize zu einem ressourcenorientierten Handeln schaffen.

 

Die erforderlichen Rahmenbedingungen sind erfüllt, wenn folgende Faktoren gegeben sind:

·         Personal: Die erforderlichen Angebote können durch eine angemessene Zahl an fest angestellten Mitarbeiter/innen und Honorarkräften gewährleistet werden.

·         Finanzen: Die erforderlichen Mittel – orientiert an den Daten der Kosten- und Leistungsrechnung – stehen zur Verfügung, um bedarfs- und ressourcengerecht eingesetzt zu werden.

·         Räume: Die erforderlichen Räume sind in angemessener Qualität und Quantität vorhanden.

·         Verwaltungsvorschriften und ihre Anwendung berücksichtigen die Erfordernisse einer zeitgemäßen Jugendarbeit. Die Vorschriften der Landeshaushaltsordnung werden flexibel angewandt.

 

 

gez. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jugendförderung

Berlin, den 15. September 2004

 

 

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